Transcranial direct current Stimulation (TDCS)

Was ist tDCS?
tDCS ist die Abkürzung für “Transcranial Direct Current Stimulation”, einer wissenschaftlich mittlerweile  sehr gut erforschten Form der nichtinvasiven Neurostimulation. Dabei wird ein sehr niedriger konstanter Gleichstrom (0,5 bis 2 mA) mit kleinen Schwammelektroden über die Kopfhaut zur Aktivitätsbeeinflussung bestimmter darunterliegender Hirnbereiche angelegt. Das Verfahren wurde ursprünglich entwickelt zur Behandlung von Patienten mit schweren Hirnverletzungen wie Schlaganfällen und anderen Erkrankungen, um deren Rehabilitation und Heilungsverlauf zu verbessern. Mittlerweile findet das Verfahren sehr breite Anwendung zur Verbesserung der Hirnfunktion bei zahlreichen neuropsychiatrischen Krankheitsbildern sowie auch bei Gesunden zur gezielten Leistungssteigerung.  Durch die Anwendung von tDCS werden die Aktivitäten bestimmter unter der Stimulationsstelle liegender Zellen und Hirnareale bis zu 20-40 % gesteigert bzw. herabreguliert, was eine effective dauerhafte Veränderung der Hirnaktivität hervorrufen kann. tDCS kann die Stimmung und Gefühlslage, die kognitiven Fähigkeiten, die Gedächtnisleistungen, soziale Fertigkeiten und die neuronale Stabilität deutlich und über längere Zeiträume verbessern, in  Abhängigkeit der je nach Beschwerdebild ausgewählten stimulierten oder modulierten spezifischen Hirnregionen. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei entsprechender gezielter Anwendung über mehrwöchige Zeiträume die Stimmung, die sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten, die Aufmerksamkeitsspanne, das Problemlösungsvermögen, die Koordination und Gedächtnisleistung sowie viele andere neuropsychologische Fertigkeiten deutlich verbessert werden können. Diese Funktionsverbesserungen können zur Beschleunigung des Heilungsverlaufs alleine oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren eingesetzt werden.

Wie stellt man sich die biologische Wirkung von tDCS vor
Nervenzellen sind elektrisch geladen. Bei tDCS werden eine Anode und eine Kathode als Elektroden verwendet. Die Anode wirkt durch Depolarisierung aktivierend, die Kathode wirkt hemmend. Bei dem Vorgang werden auch Aktivitäten verschiedener  Botenstoffe im Gehirn verändert. Durch die wiederholte Anwendung des Verfahrens können anhaltende Veränderungen erreicht werden, überaktive Hirnregionen reguliert und unteraktive Regionen aktiviert werden. Hierdurch läßt sich bei gezieltem Einsatz die Gehirnaktivität normalisieren, damit auch viele neuropsychiatrische Krankheitsbilder behandeln.

Was sind tDCS-Sitzungen und wie lange dauert die Therapie?
Bei der tDCS-Sitzung werden nach entsprechender Vorbereitung der Kopfhaut 2 kleine salzwassergetränkte Schwammelektroden auf die Kopfhaut aufgelegt. Die genaue Lokalisation der Elektroden wird vorher genauestens und in Abhängigkeit von den klinischen Beschwerden festgelegt. Eine tDCS-Sitzung dauert dabei je nach Protokoll 10 bis 30 Minuten, wobei ein konstanter niedriger Gleichstrom von 0,5 bis 2 mA angewandt wird. Die neurobiologischen Effekte halten nachweislich bis zu 2 Stunden unmittelbar nach der Sitzung an. In dieser Zeit kann sich die Hirnaktivität positive regulieren und langanhaltende neuropsychologische Veränderungen zu erreichen. Bei Anwendung des Verfahrens in Serien üblicherweise bis zu 3 Wochen Dauer in Folge können auch gute Langzeiteffekte erreicht werden durch wiederholte Beeinflussung der spezifischen modulierten Netzwerke im Gehirn. Dabei macht man sich Effekte der Neuroplastizität (Neuverknüpfung von Nervenzellen) und des Langzeitlernens zu Nutze.   Entsprechend ist es sinnvoll während der tDCS-Sitzungen zu entspannen, oder sich auf möglichst positive Bilder und Gedanken einzulassen, um den Vorgang bestmöglich zu unterstützen.

Wie sicher ist tDCS?
tDCS ist ein sehr sicheres Verfahren bei korrekter Anwendung durch erfahrene Behandler. Zahlreiche Studien sind mittlerweile weltweit durchgeführt worden ohne längerfristige Nebenwirkungen. Solange die tDCS nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auf der Basis von kontrollierten Studien durchgeführt wird gibt es keine Sicherheitsbedenken.

Gibt es Nebenwirkungen bei tDCS?
Einige typische mögliche Nebenwirkungen der tDCS sind ein leichtes Kribbeln oder Jucken an der Stimulationsstelle unter den Schwammelektroden, wenn das Gerät eingeschaltet wird. Seltenere aber unbedenkliche Nebenwirkungen sind leichte Rötung, leichte Kopfschmerzen, Mißempfindungen im Gesichtsbereich, Lichtblitze (Phosphene), metallischer Geschmack auf der Zunge, was aber keine Gefährdung darstellt und meist nur für die Dauer der Stimulation oder kurze Zeit danach anhält. Die Kopfschmerzen sprechen dabei gut auf gängige Kopfschmerzmittel an. Bei entsprechenden Fragen hierzu beraten wir sie entsprechend.

Wie wichtig ist die Elektrodenplatzierung?
Zwischen den beiden angelegten tDCS-Elektroden wird über die dazwischen liegenden Bereiche des Gehirns ein Stromkreis geschlossen, dabei wirkt eine Elektrode aktivierend (positive Anode) die andere hemmend (negative Kathode) auf die darunter liegenden Gehirnbereiche. Die unter der Anode liegenden Gehirnbereiche werden also in ihrer Aktivität unterstützt, während die unter der Kathode liegenden Hirnbereiche herabreguliert werden. Welche Bereiche für die Regulation ausgewählt werden, hängt von den klinischen Beschwerden und dem Krankheitsbild ab, was im ärztlichen Gespräch sorgfältig geklärt wird. Die Positionierung der Elektroden erfolgt nach dem auch in der EEG-Diagnostik bewährten 10-20-System, um eine genaue Wiederholbarkeit der Therapie zu gewährleisten. Dabei macht man sich zunutze, dass auf der Hirnoberfläche wie auch im übrigen Gehirn bestimmte Bereiche für spezifische Funktionen verantwortlich sind. Auf der Hirnoberfläche bzw. der Hirnrinde erfolgt beispielsweise eine Unterteilung in sogenannte Brodmann-Areale mit definierten Funktionen.

Werden die Kosten für tdcs von der Krankenversicherung getragen?
Tdcs wird in der Praxis als individuelle Gesundheitsleistung angeboten (IGEL). Das Verfahren ist also keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten müssen meist selbst getragen werden. Bei Privatversicherung können die Kosten häufig erstattet werden Weitere Informationen zur Terminvereinbarung und zu anfallenden Kosten können Sie beim Praxisteam erhalten.